Landtagswahl Baden-Württemberg Wahlprogramme ein Vergleich Flüchtlingspolitik

Aus gegeben Anlass und da mich die Unkenntnis vieler Mitmenschen über Wahlprogramme fasziniert/schockiert ein Vergleich. Ich werde zentrale Bereiche herausgreifen und dabei die wichtigsten Parteien vergleichen wenn sich Angaben in ihren Wahlprogrammen dazu finden. Wer sich einmal das Wahl beziehungsweise Regierungsprogramm der CDU angeschaut hat weiß das es mit 156 Seiten recht lang ist. Ich bitte deshalb um Verständnis wenn ich einiges weglasse oder verkürze. Ich werde aber die Programme verlinken, also wer mehr Details möchte einfach nachlesen.

Flüchtlingspolitik

Das Thema Nr. 1 auch auf Landesebene.

Der Landesverband CDU findet, dass das Land Baden-Württemberg als eines der reichsten Bundesländer mit dem Zustrom an Flüchtlingen überfordert ist bzw. die rot-grüne Regierung es einfach nicht auf die Reihe kriegt(etwas aufgelockert gesagt). Die Lösungsvorschläge sind recht allgemein gehalten Beschleunigung von Asylverfahren, Einrichtung von „Landeskompetenzzentren für Asyl und Flüchtlinge“ dort statt Taschengeld Sachleistungen an Flüchtlinge ohne Bleiberechtsperspektive auszuzahlen, keine Gesundheitskarte vor der Anerkennung (der einzige wirklich kritische Punkt über die anderen darf man streiten, Gesundheitsversorgung ist ein Grundrecht), bei Nichtanerkennung konsequente Abschiebung, Bekämpfung von Schleuserkriminalität  auch mit automatischer Autokennzeichenüberprüfung, Identifizierung von Sprache als einer der wichtigsten Faktoren für Integration, Entlastung der Kommunen bei der Unterbringung, Unterstützung der Ehrenamtlichen Helfern, Förderung von Pädagogen und Lehrern um grade junge Menschen besser integrieren zu können, zweitwichtigster Faktor zur Integration ist eine Arbeitsstelle (hier stimme ich genauso zu wie beim ersten Faktor Sprache beides ist extrem wichtig für eine gelungene Integration).

Die Piraten haben in ihrem Landeswahlprogramm eigentlich gar nichts zum Thema Integration und Flüchtlinge stehen. Die Piraten haben wirklich viele auch sehr gute Punkte für ein generelles gesellschaftliches Zusammenleben, aber zu aktuellen Themen fehlt ihnen nach wie vor oft das Programm und das finde ich sehr schade. Die Piratenpartei vergibt damit unglaubliches Potenzial und das war auch einer meiner Gründe für meinen damaligen Austritt. Ich habe dann aber doch mal auf Twitter beim Landesverband nachgefragt und der hat mich auf das Bundesparteiprogramm verwiesen. Dort ist allerdings auch alles etwas dünn aber ein positiver bejahender Zuspruch zu Migration ist drin.

Die FDP schreibt in ihrem Wahlprogramm, dass Kommunen von Land und Bund unterstützt werden müssen, bei Kindern und Jugendlichen Flüchtlingen eine angemessene Bildungsgrundlage schaffen, eine abgeschlossene Ausbildung soll eine Möglichkeit auf dauerhaftes Bleiberecht schaffen auch bei Wegfall des Fluchtgrundes(Finde ich sehr gut Leistung soll belohnt werden, Integration durch Arbeit und Bildung usw.), konsequente Abschiebung bei ungerechtfertigten Asylantrag, der Bund soll prüfen ob weitere Herkunftsländer als sicher eingestuft werden können, Bildungsstand von Flüchtlingen erheben um damit den konkreten und individuellen Bildungsbedarf zu ermitteln.

Kommen wir nun zur Linkspartei ihre Vorschläge im Bereich Flüchtlingspolitik sind, Ausbau der Sprachförderangebote,  die Förderung des herkunftssprachlichen Unterrichts in allen Schulformen, ein integratives Schul- und Ausbildungskonzept, mehr Lehrer mit Migrationshintergrund, Förderung von interkulturellen Kompetenzen in staatlichen Institutionen, den Pool von staatlich geprüften Dolmetschern ausbauen, den allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz konsequent anwenden, Stärkung der Integrationsbeauftragten, Wahlrecht für alle Menschen die ihren Lebensmittelpunkt in Baden-Württemberg haben, schnelle und einfachere Aberkennung ausländischer Abschlüsse, landesweites soziales Wohnungsbaukonzept nicht nur für Flüchtlinge um integratives Leben zu ermöglichen, Mieten müssen eingefroren werden(Ähm nein, Mieten müssen nach oben und unten anpassbar sein die Welt ist nicht statisch und man kann sie nicht einfrieren. Über Fristen oder bremsen kann man evtl. noch streiten), ein Winterabschiebestopp, Verschärfung des Asylrechts wird abgelehnt, betreute Wohngemeinschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Gesundheitskarte für Flüchtlinge, Flüchtlinge in Ausbildung müssen ein Bleiberecht für die Dauer der Ausbildung und mindestens weitere zwei Jahre erhalten, uneingeschränkter Zugang zum Arbeitsmarkt ohne Umgehung des Mindestlohns, stärkere Beteiligung des Bundes, die Kommunen sollen ihre kompletten Kosten erstattet bekommen, Ablehnungen aller Abschiebungen.

Kommen wir nun zur AFD und ihrem Programm. Die AFD spricht im Abschnitt zum Thema Flüchtlingspolitik von Rechtsbruch, Völkerwanderung, gleichgeschalteten Medien usw. Aber kommen wir zu den konkreten sachlichen Forderungen und da steht neben vielen Wiederholungen der „Medienkritik“, „Kanzlerinnenkritik“ und „Alt-Parteienkritik“ nicht so viel aber einiges schon. Flüchtlinge sollen hauptsächlich in ihren Heimatregionen versorgt werden (Kein Wort zu den Leistungen der Staaten die genau das tun z. B. Jordanien und wie man diese Staaten dabei unterstützen möchte), die Änderung des individuellen Asylrechts in ein institutionelles (Geht nicht Asylverfahren müssen individuell sein, da jeder Mensch anders ist mit anderen Lebensumständen), Einrichtung von Auffangzentren außerhalb Europas mit der Möglichkeit dort Asyl zu beantragen (Die Möglichkeit Asyl auch von außerhalb Europas zu beantragen würde einige gefährliche Reisen sparen), eine europäische Verteilung der Flüchtlinge(also die EU ist doch zu was gebrauchen und nicht nur schlecht wie die AFD immer sagt. Also wie die Briten nur die Probleme bei der EU abladen), Schengen aussetzen und Grenzen schließen (Zu der Wichtigkeit des Schengen-Raumes für die Wirtschaft muss ich wohl nichts sagen. Mal ganz abgesehen von der persönlichen Reisefreiheit), Fehlanreize im Sozialsystem abbauen, konsequente Abschiebung von abgelehnten Antragsstellern, Abschaffung der Härtefallkommission (die es aus gutem Grund gibt…), keine Einführung einer Gesundheitskarte, Beschleunigung der Asylverfahren, Abschaffung des Integrationsministeriums, Abschaffung staatlicher Zuschüsse an nichtstaatliche Flüchtlingshilfsorganisationen, Wiedereinrichtung von Abschiebehaftanstalten, Abschaffung des Widerspruchsrechts im Asylverfahren (Quasi Abschaffung des Rechtsstaates im Asylverfahren. In einem Rechtsstaat muss es eine Widerspruchsmöglichkeit gegen Entscheidungen des Staates geben.), Einführung eines Kopftuchverbotes (das Bundesverfassungsgericht hat dazu schon einmal klar geurteilt aber egal….), Einbürgerung nur bei gelungener Integration.

Kommen wir zum Landesverband der Grünen erstmal wird von bereits eingeleiteten Maßnahmen der Grünen Landesregierung berichtet und was schon alles getan wurde. Das ist in Wahlprogrammen nicht unüblich. Die Grünen lehnen die Aufweichung des Mindestlohns für Flüchtlinge ab, Sicherstellung einer menschenwürdigen Unterbringung von Flüchtlingen, Einführung einer Gesundheitskarte, Verbesserung der psychosozialen Versorgung, auch die Grünen begreifen wie alle Parteien von AFD bis Linkspartei Sprache und Arbeit als wichtige Faktoren zur Integration, deshalb schnelle Integration in den Arbeitsmarkt sowie schnelle Anerkennung von Abschlüssen, Asylrecht ist Grundrecht, europäische Reisefreiheit ist ein Grundrecht, Europa soll ein einheitlicher Schutzraum mit legalen und sicheren Zugangsmöglichkeiten für Flüchtlinge werden, Stabilisierung der Herkunftsländer zur Bekämpfung von Fluchtursachen, Suche nach einer Lösung gemeinschaftlich als Europa.

Und als letztes die SPD. Ob das Beste zum Schluss kommt oder die SPD das letzte ist entscheidet der Wähler. Ich möchte hier aber kurz zwischen schieben, dass ich allein beim Vergleich der Programme im Bereich Flüchtlingspolitik bei über 1000 Wörtern angelangt ist. Dem entsprechend werde ich das als einen einzigen Text behandeln und andere Punkte in den nächsten Tagen abhandeln. Jetzt aber zur SPD auch sie berichtet wie die Grünen erstmal von ihrer bereits geleisteten Regierungsarbeit um dann anzufangen in Zukunft soll es in jeder Legislaturperiode einen Landesintegrationsbericht geben, interkulturelle Kompetenz in der Verwaltung stärken, kommunales Wahlrecht für Drittstaat-Angehörige, Europäische-Lösung mit europaweit gleichen Standards für eine Menschenwürdige Unterbringung, Bekämpfung von Fluchtursachen, Schaffung eines Einwanderungsgesetzes um eine legale Einwanderung unter gewissen Bedingungen neben dem Asyl zu ermöglichen, Förderung der ehrenamtlichen Hilfe, Arbeit und Sprache als wichtigste Faktoren.

Zusammenfassend gesagt Asyl, Migration, Integration oder bei der AFD eher Assimilation sind sehr umfangreich und bei den meisten Parteien liegt der Unterschied im Detail außer bei der Linkspartei und der AFD die wesentlich größere Unterschiede zu den „normalen“ Parteien haben, ob sie das sinnvolle Unterschiede sind sei einmal dahingestellt und muss der Wähler am Sonntag entscheiden.

Ich habe versucht die Wahlprogramme vergleichbar zu machen und habe dabei gekürzt und an Details gespart, bei Bedarf in die verlinkten Programme schauen. Und trotzdem sprengt das Thema einen ganzen Artikel. Die anderen Themen werde ich auch noch aufgreifen und vergleichbar machen. Ich denke wenn ich mich gezwungen sah einzelne Punkte zu kommentieren ist das klar erkennbar.

Wahlprogramm AFD

Wahlprogramm SPD

Wahlprogramm CDU

Wahlprogramm Piratenpartei

Wahlprogramm FDP

Wahlprogramm Linkspartei

Wahlprogramm Grüne

 

 

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Ein Kommentar zu “Landtagswahl Baden-Württemberg Wahlprogramme ein Vergleich Flüchtlingspolitik

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