Individualisierung und die Auswirkungen auf die Gesellschaft

Heute einmal ein eher soziologisches Thema, aber im Laufe des Textes werde ich natürlich eine Verbindung zur Politik finden. Momentan merkt man an vielen Themen wie die Gesellschaft durch die immer stärker werdende Individualisierung sich verändert hat und weiterhin verändert. Aber zuerst was ist eigentlich Individualisierung.

Die lexikalische Definition ist: Der Begriff der Individualisierung stammt aus der Soziologie und bezeichnet einen mit der Industrialisierung und Modernisierung der westlichen Gesellschaften einhergehenden Prozess eines Übergangs des Individuums von der Fremd- zur Selbstbestimmung. Philosophischer Ausdruck der Individualisierung ist der Individualismus.

Aber was heißt das konkret? Konkret bedeutet es, dass das Individuum, also der Mensch, Ich, du, der Busfahrer da drüben oder der Nachbar von nebenan mehr Einfluss auf das eigene Leben bekommt. Das äußert sich in einfachen Sachen wie freier Berufswahl. Man entscheidet selber was man wird. Es wird einem nicht mehr von den Eltern vorgeben (Papa Müller Sohn auch Müller oder Papa sagt „Sohn du studierst Jura und wirst einmal Anwalt.“).

Es gibt unzählige Punkte die dazu gehören, aber es endet alles mit einem großen Wort Selbstverantwortung. Selbstverantwortung hat Sonnenseiten. Man ist selber für seinen Erfolg verantwortlich man hat es also selber geschafft. Man hat die Freiheit selber Entscheidungen zu treffen usw.

Aber es gibt auch Schattenseiten. Man ist plötzlich selber verantwortlich auch für Fehler und Misserfolg. Wer Fehler macht und in Probleme gerät der kann nicht seinen Eltern die Schuld für den falschen Beruf geben oder dafür das man grade keinen Job mit seinen aktuellen Fähigkeiten als Lagerarbeiter findet. Sondern man ist selber „Schuld“, dass man sich nicht rechtzeitig um Weiter-oder Umschulung gekümmert hat. Man kann die Schuld nicht mehr abwälzen.

Wer die Kultur der Selbstverantwortung aber denkt und lebt wie ich wird aber ein anderes Problem finden. Sie kann manchmal sehr unglücklich machen vor allem wenn man an seinen eigenen Fehlern scheitert, aber sie spornt einen auch nachdem man das überwunden hat sofort zur Verbesserung an.

Wer diese Kultur nicht lebt sieht die Fehler oft bei anderen den Verwandten, dem Chef, den fremden Menschen die plötzlich hier leben und ihm völlig unbekannt sind oder bei der Politik „da oben“. Er schiebt die Schuld weg von sich und verzweifelt dann an seiner eigenen vorgestellten Machtlosigkeit sich und seine Situation zu verbessern.  Das führt zu einem Kreislauf immer tiefer werdender Verzweiflung.

Ob man diese Kultur nun lebt oder nicht Fakt ist, dass in den letzten 50 – 150 Jahren der einzelne Mensch immer mehr Freiheit und damit auch Verantwortung übertragen bekommen hat. Des weiteren haben traditionelle Werte und soziale Milieus an Haftung verloren. Heute gibt es so viele kulturelle Einflüsse und Subkulturen, dass Menschen im Laufe ihres Lebens viele davon erleben und durchleben. Soziale Milieus sind kein Dauerparkplatz mehr es gibt den Weg nach oben aber auch nach unten.

All dies verunsichert viele Menschen. Ich würde nicht gleich von Angst sprechen. Verunsicherung bewegt die Menschen allerdings dazu vorsichtig zu sein. Vorsichtig gegenüber neuem, vorsichtig gegenüber ihrer eigenen Belastungsgrenze oder vorsichtig gegenüber komplexen Situationen die nur schwer zu verstehen sind. Das ist auch nichts Schlechtes vorsichtig zu sein ist etwas zutiefst menschliches, aber man darf sich davon nicht beherrschen lassen.

Wenn sich das verstärkt dann fokussiert sich das meist auf wenige Lebensbereiche die dem Menschen nahe sind oder nahe zu sein scheinen nach seinem Empfinden. Das führt meistens zu Ablehnung von Veränderungen. Ablehnung der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. In der Sicherheitspolitik wird die Veränderung der Sicherheit innerhalb Europas angezweifelt und damit der  Schutz der baltischen Staaten und Polen vor einer möglichen Aggression seitens Russlands als nicht nötig abgetan.

Die durch die Individualisierung geforderte Selbstverantwortung überfordert noch viele Menschen die nicht gelernt haben damit umzugehen.

Die Politik kann hier wenig tun. Einige Möglichkeiten bestehen trotzdem. Selbstverantwortung und die daraus resultierenden Folgen frühzeitig in Schulen lehren und die benötigten Kenntnisse und Fähigkeiten fördern. Dazu gibt es bereits genug pädagogische Konzepte.

Eine zweite Möglichkeit wäre die Wegnahme von Freiheit und mehr Hilfe vom Staat. Ein Weg den ich in den meisten Fällen grundsätzlich ablehnen würde.

Was kann die Gesellschaft tun?

Bildung findet nicht nur in den Schulen statt sondern vor allem zuhause und im privaten Umfeld. In der Schule wird fast nur Wissen vermittelt. Wissen ist zwar toll aber bei weitem nicht alles um in der Welt zu Recht zu kommen.

Fazit: Unsere Gesellschaft und die Geschichte der Individualisierung steht vor einer großen Prüfung wieviel Individualisierung möglich ist. Und der daraus resultierende Veränderungsprozess wird seine Zeit brauchen.

Und zum Ende darf bei aller Individualisierung nicht vergessen werden, dass wir immer noch eine Gemeinschaft sind, die gemeinsame Leistungen für das Kollektiv erfordert. Manchmal etwas mehr als gestern und vorgestern.

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2 Kommentare zu “Individualisierung und die Auswirkungen auf die Gesellschaft

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