Der Weg zwischen den Extremen

Die Menschen in Deutschland und in aller Welt neigen dazu Extremlösungen zu bevorzugen. Aber warum ist das so?

Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten, da mehrere Antworten die Gesamtantwort bilden.

Extremlösungen sind ihrer Art nach vor allem extrem, radikal und ganz anders als die gegenwärtige Praxis. Daraus resultiert dann eine große Veränderung bzw. der Wunsch nach einer größtmöglichen Verbesserung bis hin zum Gedanken „jetzt ist die bestmöglichste Welt erreicht“.

Dadurch das sie so anders als die bisherige Praxis sind ziehen Extremlösungen auch besonders Menschen an die sich wenig mit einem langsamen Reformweg anfreunden können, Menschen die sich besonders im Widerstand zum jetzigem System fühlen oder sich fühlen wollen, Menschen die viel bewegen wollen, Menschen die sich gerne nach einem Ziel ausrichten und Menschen mit großer Verzweiflung die sich ganz schnell eine Verbesserung ihrer Lage wünschen.

Was sind die Nachteile von Extremlösungen?

Da wäre zum einen der radikale Umsturz der  bisherigen Praxis, der viele Menschen überfordern kann und damit zu einer Art Depression. Beispielsweise in den ehemaligen Staaten der Sowjetunion und des Warschauer Paktes hat die Einführung der freien Marktwirtschaft anfangs zu Problemen geführt. Erst nach mittlerweile über 20 Jahren hat sich ein Großteil dieser Probleme beseitigt. Das Gegenbeispiel ist die Volksrepublik China die sich unter Deng Xiaoping langsam ganz gemächlich geöffnet hat. Das gab der ganzen Bewegung die nötige Zeit und Stabilität.

Wenn die Versprochene Besserung der Lage nicht eintritt, kann das ganze neue System kippen und in ein Gegenteil umschlagen. Die neue Demokratie der Weimarer Zeit war zwar keine Extremlösung, aber sie versprach dem Bürger auf einmal neue Macht und auch die Parteien im Zentrum des politischen Spektrums versprachen eine baldige Besserung der schwierigen Lage, die nicht eintrat. Daraus entstand eine tiefe Depression in der Bevölkerung die sich den Extremen zuwandte und an den Extremen ist die Weimarer Republik kaputtgegangen. Die Weimarer Republik kippte von dem Seil auf der sie balanciert hatte nach rechts und ihr Schutzengel konnte sie nicht mehr auffangen.

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In der Karikatur ist Deutschland bzw. der deutsche Michel als kleiner Junge zu sehen der von seinem Schutzengel (Gustav Stresemann) beschützt wird.

Das schwierige an einem Weg zwischen den Extremen ist dabei den richtigen Pfad zu nehmen. Zwischen beiden Seiten der Extreme gibt es unzählige Pfade. Nur welcher davon ist der richtige? Wer sich mit Politik und Geschichte beschäftigt wird unweigerlich feststellen, dass der beste Weg selten oder eigentlich nie getroffen wird. Das ist auch gar nicht verwunderlich, da Menschen selbst für den eigenen wesentlich einfacheren Lebensweg selten genau den richtigen Weg finden. Die Staatskunst ist noch um ein vielfaches komplexer und in ihr befinden sich noch wesentlich noch mehr Friktionen die einfach nicht vorher zu sehen sind. Man kann also nur versuchen eine bestmöglichste Lösung zu erreichen.

Diese Lösung befindet sich nicht immer direkt auf dem Bergkamm zwischen den Extremen sondern manchmal auch links oder rechts am Berghang, mal weiter oben mal weiter unten, je nachdem  um welches Thema es sich handelt. Und manchmal ist auch der eingeschlagene Pfad nicht mehr der beste und man den Weg etwas am Hang verlegen. Auch das kommt vor und muss erkannt werden. Dann muss der Weg eben angepasst werden so schwer einem das auch fällt. Extrempositionen können sich nicht anpassen ohne ihre Extremposition zu verlassen.

Trotzdem werden Extrempositionen gebraucht. Aristoteles der große Philosoph der Mitte sagte einmal sinngemäß. „Wenn ein  Bogenschütze die Mitte einer weit entfernten Zielscheibe treffen will, muss er Erdanziehung und Windgeschwindigkeit berechnen (Extrem Nr. 1)  und dem entsprechend höher und nach links oder rechts zielen (Extrem Nr. 2). So gleichen die sich die beiden Extreme aus und helfen dabei die Mitte zu treffen. Ein plötzlich zunehmender Wind stellt dementsprechend eine große Gefahr dar, die goldene Mitte zu verfehlen.

Abschließend sei gesagt in den meisten Themenfeldern sind Wege zwischen den extremen die besseren, sie es in der Flüchtlingspolitik, bei der Freiheit des Marktes oder den Umgang mit Religionen oder oder oder……

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2 Kommentare zu “Der Weg zwischen den Extremen

  1. Nachtrag:
    Würde man eine Umfrage starten, ob es richtig sei Politische/Gesellschaftliche Änderungen der aktuellen Situation eines Landes, welche eine positive Änderung nach sich tragen würde. ( Wobei niemand sagen kann, wann diese positive Änderung eintrifft ), so würde diese Frage sicherlich jeder befragte bejahen.

    Nur sollte man hierbei keines Falls die aktuelle Generation von Bürgern vergessen.
    Immerhin sind sie die Pfeiler der Nation.
    Sei es , das der Mensch Opportunistisch veranlagt , oder es einfach als gerecht ein zu stufen ist.

    Solange sich diese Generation nicht benachteiligt fühlt, sollte sich der Extremistische Anteil der Bevölkerung gering halten.

    * quid pro quo *

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