Staaten im Nahen Osten Teil 3 – Türkei

Die Türkei ist zwar nicht direkt ein arabischer Staat hat aber einen gewissen Einfluss in die arabische Region. Zu dem verlagert die Türkei ihre Westausrichtung zu einer Ausrichtung in die muslimische Welt.

Die Türkei hat in der muslimischen Welt aufgrund ihrer säkularen Vergangenheit einen schweren Stand. Gleichzeitig ist die Säkularisation einer der größten Vorteile der Türkei. Kemal Atatürk  hat damals die Vorteile gesehen und damit die Türkei aus der Region herausgenommen und näher an den europäischen Kontinent herangetragen. Seine Nachfolger haben das auch weiterverfolgt. Das führte soweit das die Türkei zum EU-Beitrittskandidat geworden ist. Auch wenn eine Mitgliedschaft durch die Änderung der türkischen Regierungspolitik in weite Ferne gerückt ist. Die vielen Jahre als Kandidat haben in der Türkei das Gefühl geweckt nicht willkommen zu sein. Das hat dann auch dazu geführt, dass sich die Türkei umorientiert hat in den muslimischen Raum in dem es aufgrund seiner starken Wirtschaft, seinem für die Region starkem Militär und seiner großen und vergleichsweise gut ausgebildeten Bevölkerung einige Vorteile genießt.

Ein weiterer strategischer Vorteil ist die NATO-Mitgliedschaft. Durch die NATO Mitgliedschaft ist die Türkei direkt nahezu unangreifbar bzw. jeder Angriff würde den Verteidigungsfall auslösen, indirekt ist die Türkei natürlich weiterhin angreifbar.

Ein weiterer daraus resultierender Vorteil ist die Möglichkeit mit den gut ausgebildeten NATO-Truppen zu üben. Weiterhin dürfte die Türkei in einem gewissen Rahmen stark von strategischen und taktischen Aufklärungsmöglichkeiten der NATO profitieren.

Erdogans Politik hat versucht nun aus der säkularen Türkei mit Westbindung eine muslimische Türkei als Regionalmacht zu machen. Dazu muss die Türkei erst einmal in der muslimischen Welt als muslimischer Staat angesehen werden. Vorher kann die Türkei keine Führungsrolle übernehmen. Wirtschaftliche und militärische Stärke reicht für eine solche Führungsrolle nicht aus. Ohne die kulturell, religiöse Komponente ist in der traditionsreichen muslimischen Welt wenig zu erreichen. Außer mit gewaltiger Überlegenheit wie sie die Briten ihrerseits damals innehatten. Und selbst die Briten haben die direkte Kontrolle über die Region nach und nach aufgeben müssen. Die einzige Großmacht die diese Region wirklich jemals für einen langen Zeitraum einigermaßen unter Kontrolle hatte war das Osmanische Reich. Da es wirtschaftliche militärische Überlegenheit mit einer Zugehörigkeit zur Kultur und Religion verband.

Bei diesem Versuch der Umgestaltung stößt die Türkei vor allem auf den Widerstand der alten Atatürk-Anhänger sowie der Stadtbevölkerung dort auch grade der jungen Bevölkerung und den Studenten. Um dieses Konfliktpotenzial zu beseitigen hat Erdogan zwei bzw. drei Möglichkeiten.

  1. Die Transformation der Gesellschaft durch einen langen Prozess durch Dialog, mediale Beeinflussung, Mobilisation der eigenen Anhänger und vielen anderen gewaltfreien Methoden um die Bevölkerung zu wandeln. Erdogan weiß, dass so ein Prozess 20 Jahre oder länger dauern wird.
  1. Möglichkeit zwei besteht darin jeden Protest und jede Gegenwehr der Bevölkerung gewaltsam durch Polizei und Militär niederschlagen zu lassen. Die Gefahr dabei besteht darin das die Gegenwehr dadurch mehr Auftrieb erhält um den Tyrannen zu stürzen. Siehe Ukraine, Syrien, Libyen. Das könnte das ganze Land in einen Bürgerkrieg stürzen. Außerdem muss er für diesen Weg das türkische Militär auf seiner Seite haben. Momentan steht das noch nicht vollends unter seiner Kontrolle wie einige Auseinandersetzungen mit dem Militär in letzter Zeit gezeigt haben.
  1. Möglichkeit Nummer Drei ist eine Mischform sie besteht aus den Möglichkeiten aus Möglichkeit Eins die Erdogan für geeignet hält. Wie Kontrolle über den Dialog im Land dazu gehören die Versuche das Internet zu kontrollieren, dabei wird er noch von den obersten Gerichtshof des Landes dran gehindert, sowie durch gezielte mediale Beeinflussung der Bevölkerung. Da ihm die Möglichkeit Eins aber zu langsam ist nimmt er Spannungen in der Bevölkerung in Kauf und versucht diese mit der Polizei alleine zu kontrollieren, dabei erweitert er deren Befugnisse. Damit verhindert er, dass er auf das Militär angewiesen ist, das ihm bisher kein zuverlässiger Partner bei inneren Spannungen zu seien scheint.

Außenpolitisch versucht die Türkei Einfluss in die Nachbarländer zu gewinnen vor allem in Syrien. Bisher ohne jeglichen Erfolg, in Syrien regiert immer noch Assad dem man den Iran zurechnen kann und von dort massive Unterstützung erhält. Bisher sind die einzigen „türkischen“ Staatsbürger die außerhalb der Türkei Einfluss gewinnen konnten die Kurden. Und die Kurden gehören nicht zu den Staatsbürgern die unter türkischer Kontrolle stehen. Die Türkei steht in der Region ohne Unterstützer da. Die USA wollen keine türkische Herrschaft über den Nahen Osten genau so wenig wie eine iranische. Die einzige von den USA gewollte regionale Hegemonie ist die von Saudi – Arabien über die arabische Halbinsel. Die Rolle die Saudi – Arabien dort zu spielen hat, ist die des Beschützers und Stabilitätsankers. Die Türkei spielt für die USA im Nahen Osten nur eine Rolle als Stützpunkt und Operationsbasis. Die strategische Hauptrolle der Türkei für die USA ist gegen Russland gerichtet. Da bekommt die Türkei eine ganz andere Wichtigkeit.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Türkei den Angriff auf die muslimische Welt grade erst begonnen hat. Die Türkei tut sich erwartungsgemäß schwer immerhin hat sie nahezu keine Grundlagen mehr in der Region höchstens alte Konflikte. Viel wird abhängen wie sich die türkische Gesellschaft entwickelt. Und ob es der Türkei gelingt sich einen Einstieg aufzubauen den braucht sie nämlich dringend, die nötige Kraft um dann weiter zu wirken hat sie.

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