Staaten im Nahen Osten Teil 2

In diesem Artikel möchte ich vor allem auf die beiden Staaten Saudi-Arabien und Iran eingehen. Die im direkten Konflikt um eine führende Rolle in der arabischen Welt konkurrieren.

Ursachen des Konflikts haben ihre Grundlage im Kampf um die Vorherrschaft in der muslimischen Welt. Der Iran hat das Ziel als Führungsnation aller Schiiten gesehen zu werden und damit hätte der Iran einen enormen Einfluss auf die muslimische Welt, alleine durch die dadurch versammelte Kraft aller schiitischen Staaten, Bevölkerungsanteile und anderer bewaffneter Gruppen.

Saudi – Arabiens Ziele sind wesentlich weniger expansiv sondern sollen vor allem das Königshaus absichern und an der Macht erhalten. Dazu versucht das saudische Königshaus sich einerseits als wahrer und Beschützer der heiligen Stätten Mekka und Medina darzustellen anderseits dient es auch den anderen Golfstaaten als „Anlehnungsstaat“ und Rückversicherung wie z.B. dem kuwaitischen Königshaus während der irakischen Besatzung.  Um sich selbst abzusichern bedient es sich selber noch stärkerer Verbündeten wie den USA. Ein weiteres Ziel Saudi – Arabiens besteht darin eine beherrschende Macht in der Region zu verhindern.

Die Schwachpunkte die den Iran daran hindern seine Ziele zu erreichen beruhen auf mehreren Punkten. Die internationale Isolation macht es dem Iran schwer. Die Isolation führt zu wirtschaftlichen Problemen da der Zahlungsverkehr mit dem Iran stark eingeschränkt ist. Das erschwert Handel und Investitionen in das Land. Ein weiterer Punkt ist die interne Stabilität des Irans die jederzeit kippen kann und wieder zu landesweiten Protesten oder Unruhen führen kann. Die Abhängigkeit vom Öl-Export ist im Iran wesentlich größer. Auf diesen Punkt gehe ich später noch weiter ein.

Kulturell gehört der Iran nicht zur arabischen Welt und hat deshalb mit Ablehnungseffekten zu kämpfen. Die Iraner bzw. Perser haben nur wenig mit den anderen Kulturen der islamischen Welt gemeinsam ihr Hintergrund ist ein anderer.

Die Schwachpunkte Saudi – Arabiens liegen in seiner religiös nicht geeinigten Bevölkerung, seiner Abhängigkeit von äußeren Verbündeten, seinem schwachen Möglichkeiten außerhalb der eigenen Grenzen Einfluss geltend zu machend. Sowie den Konflikt zwischen weltlichen Königshaus und dem Islam. Das Königshaus spielt eine  Doppelrolle einerseits als Bewahrer der heiligen Stätten und anderseits als normaler Staat frei von religiösen inneren Beeinflussungen. Die religiösen Beeinflussungen schädigen das Verhältnis Saudi – Arabiens zur westlichen Welt massiv, dabei ist Saudi – Arabien auf den Westen angewiesen vor allem auf die USA.

Die Stärken des Irans liegen in seinem für die Region starken Militär, seiner Anziehungskraft als einer der letzten wirklichen Gegner Israels sowie und vor allem in seinem starken Geheimdienst. Der iranische Geheimdienst hat Einfluss und Kontrolle auf schiitische Gruppen vom Libanon (Hisbollah) bis in den Jemen schiitische Rebellen. Dadurch ist der Iran befähigt fast überall in der Region bewaffnete Angriffe durchzuführen. Und bleibt dabei für seine Gegner entweder im verborgenen oder außer Reichweite. Die momentane geopolitische Lage hat sich auch zugunsten des Irans entwickelt. Das Auftauchen des IS hat es der iranischen Regierung erlaubt durch Unterstützung der irakischen Regierung diese in den eigenen Einflussbereich zu bringen. Dabei darf nicht vergessen, dass auch die US-Regierung noch einen sehr starken Einfluss durch Unterstützung ausübt. Die momentane Lage des Jemen könnte auch zu einer Ausweitung des iranischen Einflusses führen, wenn dort eine schiitische Regierung an die Macht kommt diese braucht dann einen starken Unterstützer um sich zu halten.

Die Stärken Saudi – Arabiens liegen in seinem Wohlstand, seiner Finanzkraft, sowie inneren Stabilität die aber gefährdet ist durch Konflikte des Königshauses mit den religiösen Führern des Landes. Wie sich der Tod des Königs Abdullah noch auswirken wird ist schwer einzuschätzen. Der Iran verfügt mit den USA über den stärksten Verbündeten den man haben kann. Allerdings ist diese Partnerschaft gefährdet, da die USA inzwischen selber über ÖL und Gasvorkommen verfügen. Das senkt die Bedeutung Saudi – Arabiens auch wenn es nie zur vollkommen Bedeutungslosigkeit kommen wird. Aufgrund dieses Bündnisses musste Saudi – Arabien im Außenverhältnis die letzten Jahrzehnte wenig Angst haben und die einzige Krise mit dem Irak wurde mit US-Unterstützung bewältigt. Aufgrund dieser Absicherung musste das Königshaus nie selber aktiv werden um eventuelle Gegnern zu schaden, es konnte einfach abwarten. Mit dem jetzigen Bedeutungsverlust und der Annäherung im Atomstreit zwischen dem Iran und den USA könnte sich das saudische Königshaus dazu gezwungen sehen selber außenpolitisch aktiv zu werden.  Bisher kamen „Spenden“ aus Saudi – Arabien für Terrorgruppen vor allem von privaten Seiten oder von Stiftungen die gesammeltes Geld umgeleitet haben.

Das Verhältnis beider Staaten zu IS ist kompliziert. Der Iran bekämpft den IS hauptsächlich aus zwei Gründen. Erstens sieht sich der IS selbst als einziger Vertreter der Muslime und vor allem der sunnitischen Muslime und kann deshalb schon aus ideologischen Gründen nicht mit dem Iran Koexistieren. Es wäre höchstens ein temporäres Bündnis zum erreichen gemeinsamer Ziele denkbar, die momentan aber nicht gegeben sind. Oder ein Iran unter Herrschaft des IS in dem fast alle Schiiten entweder Tod oder konvertiert sind. Der andere Grund ist das der Iran die schiitische Regierung des Iraks stützen will und über diese den eigenen Einflussbereich erweitern möchte.

Saudi – Arabien hat einen Hauptgrund um den IS zu bekämpfen. Die Grundlage hierfür ist einfach der Gegensatz zwischen IS (Theokratie) und Saudi – Arabien (Monarchie). Allerdings ist der IS noch weit weg und kämpft momentan vor allem gegen  Partner (Hisbollah, Syrien, Irak) des Irans und den Iran selbst. Das heißt wenn Saudi – Arabien zu dem Schluss kommt das der Iran die größere Gefahr für die Monarchie ist als der IS, könnte Saudi – Arabien dazu neigen den IS direkt zu unterstützen, zumindest zeitweise, um den Iran zu bekämpfen. Bisher erfolgt dieser Kampf vor allem wirtschaftlich.

Der Ölpreis spielt in diesem Konflikt eine wichtige Rolle. Der Preis pro Barrel ist so niedrig wie lange nicht mehr trotz weltweiter Krisen. Das liegt vor allem an der beginnenden Förderung durch die USA. Die Preisfrage ist jetzt warum hält Saudi – Arabien die eigene Fördermenge selbst so hoch und den Preis damit niedrig. Ein niedriger Ölpreis würde die beginnende Förderung in den USA vielleicht erst einmal stoppen, aber das Öl wäre immer noch im Boden und würde einfach später gefördert werden. Vor allem schadet ein niedriger Ölpreis dem Iran der im Gegensatz zu Saudi – Arabien keine finanziellen Reserven hat, damit soll die enge finanzielle Handlungsfähigkeit des Irans weiter eingeschränkt werden bis hin zur Zurücknahme seiner Aktivitäten im Ausland.

Abschließend sei gesagt, dass dieser Konflikt sich noch 10 – 20 Jahre mindestens hinziehen wird. Wie sich die muslimische Welt in Zukunft gestalten wird ist schwer vorauszusagen und hängt vor allem von der weiteren internen Entwicklung der einzelnen Staaten sowie der Entwicklung der äußeren Konflikte ab.

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